2015 – König Ödipus

Seit seiner Geburt beschattet eine düstere Prophezeiung Ödipus Wege: er wird seinen Vater töten und seine Mutter zur Frau nehmen. Alles Streben dem Fluch zu entgehen ist vergeblich. Erschüttert von seinem Schicksal, sticht er sich die Augen aus.

“König Ödipus”,der genialste Reißer der Bühnenliteratur, wird bereits von Aristoteles in seiner Poetik als Musterfall einer Tragödie bezeichnet. Ein Krimminalfall ist zu lösen: der Untersuchungsrichter, wild entschlossen den Täter hart und kompromisslos zu bestrafen, muss in Zeugenverhören und im Selbstverhör entdecken, dass er selbst der Täter ist. “ Des Gottes Zorn, des Gottes Pfeil bin ich!” Je näher er der Wahrheit kommt, desto näher kommt er sich selbst, und sobald die Wahrheit sich zeigt, hat er sich selbst erkannt. Nur in der Verblendung konnte er sehend leben – in der Selbsterkenntnis muss er sich blenden. Sophokles betreibt ein brillantes Spiel mit dem Wissensvorsprung der Zuschauer. Dieser unerhört dramatischen Konstruktion mit ihren tragischen Ironien und Paradoxien, kann man sich nur schwer entziehen.

Es spielen:
König Ödipus: Tobias Ulrich
Ödipus / Teiresias / Hirte: Gunnar Petersen
Kreon / Bote: Sven Schöcker
Iokaste / Dienerin: Beles Adam
Chor: Christoph Pabst
Fassung und Regie: Ioan C. Toma
Kostüme: Bonnie Tillemann